Wissenswertes zur Einkommensteuererklärung

Jedes Mal zum Jahresanfang ist es wieder soweit. Die Einkommensteuererklärung steht an. Für viele ist das eine lästige Pflicht, die so lange wie möglich aufgeschoben wird. Dabei gilt hier: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Zum Jahresanfang sind die Eingänge im Finanzamt noch eher gering, sodass man eine größere Chance bekommt, dass der Antrag schnell bearbeitet wird.

In der Regel kann man mit einem Bescheid des Finanzamts in einem Zeitraum von zwei bis drei Wochen rechnen. Wer mit einer Erstattung von Einkommensteuer rechnet, sollte also die nötigen Belege schon am Ende des Vorjahres zusammenstellen und den Antrag gleich im Januar stellen, damit das Geld möglichst schnell auf dem Konto ist. Jedoch ist nicht jeder Arbeitnehmer verpflichtet, überhaupt eine Einkommensteuererklärung abzugeben.

Pflicht zur Einkommensteuererklärung

Als „normaler“ Arbeitnehmer besteht in der Regel keine Verpflichtung, dass jährlich eine Einkommensteuererklärung abgegeben werden muss, es sei denn, man erwartet eine Steuererstattung, dann sollte man natürlich auf jeden Fall eine Einkommensteuererklärung abgeben. Anders sieht es aus, wenn man im Jahr mehr als 410 Euro sonstige steuerpflichtige Einnahmen hat. Das können zum Beispiel Provisionen oder Zinseinnahmen sein, aber auch Überschüsse aus Mieteinnahmen oder Renten. Wer von mehreren Arbeitgebern Lohn bezieht oder Ehepaare, die statt den Steuerklassen IV/IV die Steuerklassen III/V haben, sind auch zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet. Weiterhin gilt dies, wenn auf der Lohnsteuerkarte irgendwelche Freibeträge eingetragen sind oder aber der Ausbildungsfreibetrag übertragen wurde.

In diesen Fällen kann das Finanzamt die Einkommensteuererklärung auch einfordern, weil es überprüfen möchte, ob eventuell Lohnsteuer nachgezahlt werden muss. Wer damit rechnet, dass er Lohnsteuer erstattet bekommt, kann dies in der Lohnsteuertabelle überprüfen und sollte aus eigenem Antrieb eine Einkommensteuererklärung abgeben. Mit einer Steuererstattung kann man zum Beispiel dann rechnen, wenn man nicht das ganze Jahr über beschäftigt, sondern zwischendurch arbeitslos war. Auch wer hohe Werbungskosten hatte, kann sich normalerweise über eine Erstattung freuen. Die Abgabe einer Einkommensteuererklärung lohnt sich auch für Paare, die Lohnsteuerklasse IV/IV haben und eine große Differenz beim Bruttoverdienst aufweisen können. Die Erstattung fällt umso höher aus, je größer diese Differenz ist.



 

Formular zur Einkommensteuererklärung

Das Formular der Einkommensteuererklärung besteht aus mehreren Teilen. Das Hauptformular umfasst 4 Seiten und muss von jedem ausgefüllt werden. Hier werden unter anderem die Personalien erfragt, außerdem kann man hier Sonderausgaben wie Versicherungsbeiträge, Kirchensteuer und Spenden geltend machen. Weiterhin werden in diesem Hauptformular der Einkommensteuererklärung außergewöhnliche Belastungen angegeben. Hierzu zählen Krankheitskosten, Kosten aufgrund einer Behinderung oder gar die Kosten für ein Heim. Auch haushaltsnahe Dienstleistungen wie zum Beispiel die Kosten für einen Handwerker, eine Haushalthilfe oder für eine Pflegekraft können hier angegeben werden.

Dass Handwerkerkosten geltend gemacht werden können, ist relativ neu, wird aber schon von vielen Steuerzahlern in Anspruch genommen. Der Sonderausgabenabzug für die Riester Rente muss auf einer gesonderten Anlage, der Anlage AV geltend gemacht werden. In der Anlage N werden die Nettobezüge, die gezahlte Lohnsteuer sowie die Sozialversicherungsbeiträge eingetragen. Des Weiteren kann man hier angefallene Werbungskosten geltend machen. Hierzu zählen natürlich der Weg zur Arbeit und zurück, außerdem Gewerkschaftsbeiträge und Fortbildungskosten. Arbeitnehmer, die oft auswärts arbeiten wie zum Beispiel Monteure oder Außendienstmitarbeiter und diese Kosten nicht oder nicht komplett vom Arbeitgeber erstattet bekommen, können hier auch die Kosten für Übernachtung und Verpflegung geltend machen.

Einkommensteuererklärung - weitere Positionen

Auch die Kosten für die doppelte Haushaltsführung werden hier angegeben. Für Steuerzahler mit Familie ist auch die Anlage Kind bei der Einkommensteuererklärung wichtig. Hier wird für jedes Kind eine eigene Anlage ausgefüllt. Mit der Anlage Kind kann man den Kinderfreibetrag, den Ausbildungsfreibetrag, den Abzug für Kinderbetreuung sowie auch den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende beantragen. Wer statt des Kinderfreibetrags Kindergeld bezieht, muss das auch in diesem Formular eintragen.

Einkommensteuererklärung - zusätzliche Formulare

Für Sparer kommen noch zwei weitere Formulare in Frage. Zum einen ist da die Anlage KAP, in der Kapitalerträge eingetragen werden. Diese Anlage ist aber nur notwendig, wenn die Kapitalerträge über einem bestimmten Betrag liegen. Dieser Betrag ist in den aktuellen Formularen der Einkommensteuererklärung angegeben. Wer aus ausländischen Anlagen wie Investmentfonds Zinsen einnimmt, muss zusätzlich die Anlage AUS ausfüllen. Für diejenigen, die Erträge aus Spekulationsgeschäften erwirtschaften, steht noch die Anlage SO zur Verfügung. Vermieter tragen ihre Mieteinnahmen in der Anlage V ein. Für Rentner gibt es die Anlage R, in der sämtliche Renteneinkünfte angegeben werden. Wer Unterhalt zahlen muss, gibt zusätzlich die Anlage U ab, die seit dem Jahre 2006 neu hinzu gekommen ist.

Einkommensteuererklärung - Anlage GSE

Und nicht zuletzt müssen Gewerbetreibende und Freiberufler die Anlage GSE zur Einkommensteuererklärung ausfüllen, in der die Einkünfte aus der selbständigen Arbeit angegeben werden müssen. Nicht für jeden sind alle Formulare der Einkommensteuererklärung relevant. Hier muss man vorher überlegen, welche Formulare davon überhaupt ausgefüllt werden müssen, um den Verwaltungsaufwand so gering wie möglich zu halten. Für Arbeitnehmer (auch Ehepaare), die lediglich Arbeitslohn im Inland oder Lohnersatzleistungen wie Mutterschaftsgeld oder Arbeitslosengeld erhalten haben und nur standardmäßige Werbungskosten geltend machen, stellt das Finanzamt auch eine vereinfachte Einkommensteuererklärung bereit.

vereinfachte Einkommensteuererklärung

Dieses Formular kommt aber leider für die wenigsten Personen in Frage, weil die meisten doch irgendwelche anderen Einkünfte oder aber Ausgaben geltend machen, für die die anderen Formulare notwendig sind. Wem das Ausfüllen per Hand zu aufwändig ist, kann sich im Internet die jeweils aktuellen Elster-Formulare herunterladen und diese bequem am PC ausfüllen und auf elektronischem Weg dem Finanzamt übermitteln. Allerdings verlangt das Finanzamt auch bei dieser Form der Einkommensteuererklärung entsprechende Belege, die man dem Finanzamt mit der sogenannten komprimierten Einkommensteuererklärung per Post zukommen lassen muss.

Einkommensteuererklärung - Elster: Elektronische Steuererklärung

Trotzdem hat die Einkommensteuererklärung per Elster den Vorteil, dass alle Angaben in den Formularen richtig eingetragen worden sind und das Finanzamt nur noch die elektronische Einkommensteuererklärung mit den Belegen vergleicht. Das schmälert den Verwaltungsaufwand erheblich und trägt somit zu einer schnelleren Bearbeitung der Einkommensteuererklärung bei. Das Finanzamt nimmt lediglich eine sogenannte Plausibilitätsprüfung vor, bei der geprüft wird, ob die Einkommensteuererklärung in sich schlüssig ist. Außerdem hat man bei der Steuererklärung per Elster noch den Vorteil, dass man sofort darüber informiert wird, wie hoch die Erstattung ausfällt oder ob möglicherweise eine Nachzahlung auf einen zukommt.

Belege der Einkommensteuererklärung

Wie schon erwähnt, verlangt das Finanzamt bei jeder Form der Einkommensteuererklärung Belege. Am besten sammelt man die für die Einkommensteuererklärung relevanten Belege schon das ganze Jahr über in einem separaten Ordner, damit nicht am Jahresanfang das große Suchen losgeht. Hat man alle Belege bereits zusammen, braucht man nur noch die Einkommensteuererklärung ausfüllen und diese an das Finanzamt schicken. Da man nicht mehr suchen muss, ist wahrscheinlich auch die Überwindung nicht so groß, sich an diese ungeliebte Aufgabe zu setzen. Wem die vielen Belege zu aufwändig sind, der kann auch eine gesonderte Liste erstellen.

Einkommensteuererklärung - was wird anerkannt?

Allerdings werden vom Finanzamt hier nicht alle Ausgaben, wie z.B. die Ausgaben für die Kfz-Steuer anerkannt. Anerkannt werden aber zum Beispiel Krankheitskosten, Versicherungsbeiträge, Spenden, doppelte Haushaltsführung, Arbeitsmittel, Beiträge zu Berufsverbänden und Kontoführungsgebühren. Selbstverständlich gelten für all diese Beträge bestimmte Höchstgrenzen. Da diese sich ständig ändern, sollte man sich am besten beim Finanzamt erkundigen, welche Höchstgrenzen aktuell gelten. Um keine Ausgaben zu vergessen, ist es hilfreich eine Einkommensteuererklärung-Checkliste zu verwenden. Eine neue Regelung im ab dem Jahr 2010 ist die Anerkennung von Beiträgen zur privaten Krankenversicherung. Dabei sollten sollten Sie auf jeden Fall genau vergleichen, um einen geeigneten Tarif für die Private Krankenversicherung zu wählen.

Einkommensteuererklärung - Übung macht den Meister

Wenn man die Einkommensteuererklärung einmal selbst ausgefüllt hat, ist der Aufwand in den Folgejahren nur noch halb so groß. Man weiß, welche Belege über das Jahr gesammelt werden müssen und muss die Zahlen in den neuen Formularen nur noch ändern. Das geht bei den Elsterformularen noch wesentlich schneller als bei den von Hand ausgefüllten Formularen. Somit hat man seine Einkommensteuererklärung in sehr kurzer Zeit vom Tisch und muss sie nicht mehr wie sonst auf die lange Bank schieben.